Text von Pr. Wolfgang Petrick

Text von Pr. Wolfgang Petrick


(mit einer Zitat von da Vinci als Vorwort)

„Art des Schauens, die (.....) besteht darin, dass du auf manche Mauern hinsiehst, die mit allerlei Flecken bekleckst sind oder auf Gestein von verschiedenem Gemisch. Hast du irgend eine Situation zu erfinden, so kannst du da Dinge erblicken, die diversen Landschaften gleich sehen, geschmückt mit Gebirgen, Flüssen, Felsen, Bäumen, großen Ebenen, Tal und Hügeln in mancherlei Art. Auch kannst du da allerlei Schlachten sehen, lebhafte Stellungen sonderbar fremdartiger Figuren, Gesichtsmienen, Trachten und unzählige Dinge, di du in vollkommene und gute Form bringen magst.“ 
Zitat aus "Trattato della Pittura“ über das Betrachten einer Mauerwand von  Leonardo da Vinci 

Es ist das Traumhafte und Traumatische, das sich in den Bildern von Andrej Wolff mit der eigenen Lebensrealität und einer erlebten Umwelt verbindet. Bildnerische Erzählschichten werden aufgebaut, die collagehaft, kombiniert mit klassischen Malerei-Setzungen auch perspektivisch-illusionistischer Art, z. T. fast dreidimensionale Bildfluchten entstehen lassen. Romantische Stimmungen, gebrochen durch Schablonen und begrenzt aufgesprühte Flächen, stehen in Wechselwirkung mit gefundenen Piktogrammen und Plakatfetzen. Informelle, gestische Malspuren verzahnen sich mit Street-Art-Elementen und Graffiti-Impressionen. Nicht ohne Folgen – optisch und mental – ist dabei die dreijährige Ateliernutzung im Berliner Kunsthaus Tacheles geblieben. Die archaische Power des Gebäudes in der Nachwendezeit bietet Spuren einer auch visuellen Geschichte. Andrej Wolff macht experimentell und forschend von diesen „Angeboten, Artefakten“ Gebrauch. Seine Arbeiten entwickelt er – aus der klassischen „Moderne“ kommend – künstlerisch überzeugend in dramatischen, rauen und überraschenden Spannungsfeldern.

Prof. Wolfgang Petrick (Berlin, 2012)